Tiny House on WhellsLesezeit ca. 7 Minuten

Was ist ein Tiny House?

Auf dieser Seite möchten wir dir verraten, was alles hinter dem Begriff Tiny House steckt. Er bezeichnet nämlich weitaus mehr als nur ein kleines Häuschen.

Der Begriff „Tiny House“

Ein Tiny House [ˈtaɪni haʊs] ist wörtlich übersetzt zunächst einmal ein „winziges Haus“. Das heißt, es ist grundsätzlich deutlich kleiner als ein konventionelles Haus. Jedoch gibt es in Deutschland (noch) keine feste Definition für diesen Begriff. Man findet den Begriff also weder im Duden noch im deutschen Baurecht. Daher kann man streng genommen pauschal nicht sagen, ab wann ein Haus als tiny, also winzig bzw. klein, gilt.

In den USA hingegen ist der Begriff Tiny House seit 2017 im Gesetz verankert und somit klar definiert. Frei übersetzt handelt es sich laut Definition um ein Wohnhaus, das maximal eine Wohnfläche von 37 m² aufweist. Zu den 37 m² zählt hierbei nicht die Bodenfläche der Lofts (zweite Wohnebene), die viele Tiny Houses haben.

Sucht man im Internet nach dem Begriff Tiny House stellt man schnell fest, dass dieser oftmals für Minihäuser verwendet wird, die sich auf einem Trailer (also Anhänger) befinden und somit mobil sind. In diesem Zusammenhang gibt den etwas präziseren Begriff Tiny House on Wheels (Tiny House auf Rädern). In Deutschland sind diese Häuser in der Regel 7 bis 9 m lang, 2,55 m breit, 4 m hoch und maximal 3,5 t schwer. Diese Maße sind darauf zurückzuführen, dass die meisten Besitzer mit dem Tiny Houses legal auf der Straße fahren möchten (BE Führerschein vorausgesetzt). Genaueres zu diesem Thema erfahrt ihr unter Gesetze & Verordnungen.

Bei diesen typischen Maßen kann man auf Grund der oftmals verwendeten Lofts (zweite Wohnebene) auf eine Wohnfläche von ca. 26 m² kommen. Da ein Tiny House aber etwas sehr Individuelles ist, kann man natürlich die Größe der Wohnfläche nicht pauschalisieren.

Schließlich bietet ein Tiny House genügend Spielraum für verschiedene Größen und Ausführungen. Ältere oder körperlich beeinträchtigte Menschen verzichten beispielsweise häufig gerne auf eine zweite Wohnebene, da diese nur mittels (oftmals steiler) Treppe oder Leiter erreichbar ist.

Weitere Ausdrücke und Merkmale

Weitere Begriffe, die man im Zusammenhang mit Tiny Houses oder Wohnen auf kleinem Raum findet, sind u. a.

  • Minihaus
  • Mikrohaus
  • Singlehaus
  • Kleinhaus

Was genau welcher Begriff bezeichnet, hängt in der Regel davon ab, wer ihn verwendet. Oftmals werden sie auch als Synonyme benutzt.

Neben der geringen Größe kann auch die Autarkie ein weiteres Merkmal eines Tiny Houses sein. Einige Besitzer streben ein zumindest teilweise unabhängiges Häuschen an. Ein autarkes Tiny House ist möglichst unabhängig von äußeren Anschlüssen wie Strom und Wasser. Das wird beispielsweise mittels der Verwendung von Solarmodulen, Kompost-Toiletten und Regenwasser-Auffanganlagen erreicht.

Wie wir den Begriff Tiny House verwenden

Wenn wir von Tiny House sprechen, meinen wir in der Regel ein Tiny House on Wheels – so wie es im ersten Abschnitt dieses Kapitels beschrieben wurde. Hin und wieder benutzen wir aber auch tatsächlich explizit den Zusatz „on Wheels“, um Missverständnisse zu vermeiden. In den meisten Fällen lässt sich aber aus dem Kontext schließen, um was es geht.

Aber auch wir wollen uns nicht ständig wiederholen und verwenden auch mal das Wort Minihaus – ab so, dass es klar ist, um was es sich handelt. Solltest du dennoch mal nicht sicher sein, was gemeint ist, kannst du uns gerne eine Nachricht in den Kommentaren hinterlassen.

Etwas zum Ansehen

Du kannst dir nach dieser etwas trockenen Theorie noch nicht wirklich etwas unter einem Tiny House vorstellen? Dann schau dir das nachfolgende, einminütige Video an. Es stellt ein paar schöne, „luxuriöse“ Tiny Houses aus den USA vor. Auch wenn einige der gezeigten Tiny Houses die in Deutschland übliche Größe übersteigen, kann man sich dennoch ein gutes Bild von den kleinen Häusern auf Rädern machen:

Wer jetzt schon mehr Inspiration möchte, kann sich gerne weitere Videos anschauen.

Verstehe, Tiny House – das ist also quasi ein Wohnmobil…

Gerade zu Beginn erkennen viele den Unterschied zwischen einem Tiny House und einem Wohnwagen nicht. Es gibt aber einige typische Unterschiede zwischen Wohnwagen/Wohnmobilen und Tiny Houses. Beim Wohnwagen steht vor allem die Mobilität im Vordergrund und nicht das dauerhafte Wohnen. Ein Camper ist darauf ausgelegt, problemlos jeden Tag beliebige Strecken zurückzulegen – alles ist auf Mobilität ausgerichtet.

Ein Tiny House (auch on Wheels) hingegen ist in der Regel deutlich weniger mobil, da es nicht darauf ausgelegt ist, täglich bewegt zu werden. Es wäre sehr mühsam, es jeden Tag von A nach B zu fahren und würde dem Minihaus auch nicht unbedingt guttun. Es ist viel mehr ein kleines Haus mit der Option, bewegt zu werden.

Ein Wohnwagen ist also mehr Wagen als Haus – das Tiny House hingegen mehr (kleines) Haus als Wagen.

Weitere Unterschiede sind zum Beispiel folgende:

  • Beim Tiny House steht das Aussehen bzw. Design in der Regel deutlich mehr im Vordergrund als bei einem Wohnwagen
    • Beim Wohnwagen wird eher pragmatisch gedacht
  • Es werden meistens unterschiedliche Materialien eingesetzt: beim Tiny House kommt vornehmlich Holz zum Einsatz wohingegen beim Wohnwagen viel Plastik verwendet wird
  • Wohnwagen sind generell schlechter isoliert

Natürlich können die Grenzen mitunter fließend sein. Du kannst dir beispielsweise auch ein kleines Tiny House on Wheels bauen, das auf Mobilität ausgelegt ist. Weiterhin gibt es natürlich auch wirklich große Wohnwagen und Wohnmobile, die optisch schön aussehen und in denen es sich sicherlich auch gemütlich dauerhaft wohnen lässt.

Ist ein Tiny House für Familien mit Kindern geeignet?

Häufig stellt sich diese Frage bei vielen gleich zu Beginn. Grundsätzlich sind die kleinen Häuschen natürlich auch für Familien geeignet. Wenn jedes Familienmitglied mit weniger Platz zurecht kommt, spricht nichts dagegen.

Lassen wir doch einfach eine Vierköpfige Familie zu Wort kommen. In dem nachfolgenden, kurzen Videoausschnitt berichtet Familie „Unbehauen“ über ihre Erfahrung im Minihaus das sie für eine Nacht gemietet haben.

Wem der Platz eines Häusschens nicht reicht und wer aber trotzdem auf die Vorteile nicht verzichten möchte, könnte beispielsweise auch zwei Tiny Houses bauen und diese miteinander verbinden.

Das Tiny House Movement

Wie bereits erwähnt, steckt hinter dem Ausdruck Tiny House viel mehr als nur eine besondere Art von Häusern. Es ist mittlerweile vielmehr eine Art gesellschaftliche Bewegung, die ihren Ursprung in den USA hat. Diese Bewegung propagiert ein Umdenken im Wohn- bzw. Lebensbereich. Während die allgemeine Mentalität Richtung „bigger is better“ (größer ist besser) tendiert, vertreten die Anhänger der Tiny House Bewegegung die gegenteilige Meinung – weniger ist mehr.

Du möchtest etwas mehr vom Tiny House Movement erfahren?

Diese Gegenbewegung wurde mit größter Wahrscheinlichkeit von der in den USA lebenden Architektin Sarah Susanka ausgelöst, die 1997 das Buch „The Not So Big House“ veröffentlichte. Zu Beginn war die Hauptmotivation für den Bau von Tiny Houses die schwache Einkommenssituation in den USA, die durch die Wirtschaftskrise ausgelöst wurde. Die Minihäuser kosteten schließlich deutlich weniger und waren daher eine attraktive Alternative zum konventionellen Eigenheim für das wirtschaftlich angeschlagene Volk.

In Deutschland ist die Tiny House Bewegung mittlerweile ebenfalls angekommen. Auch hier gibt es immer mehr Menschen, die das Tiny House als Wohnalternative in Betracht ziehen. Viele Menschen sehen es nicht ein, immer höhere Mietzahlungen leisten zu müssen. Es ist kein Geheimnis, dass die Mieten, vor allem in Städten, in den letzten Jahren stark angestiegen sind – Tendenz steigend. Verordnungen wie „Mietpreisbremse“ schaffen hier keine Abhilfe. Das ist auch kein Wunder, wenn man sich genauer über dieses Thema informiert. Das Wohnen in einem Tiny House schafft diesbezüglich eine finanzielle Unabhängigkeit.

Neben der finanziellen Unabhängigkeit, die mit deutlich geringeren Mitteln als beim Bau eines „normalen“ Hauses erreicht werden kann, geht es den Anhängern oftmals auch um nachhaltiges bzw. ökologisches Wohnen und Leben. Das eigene Hab und Gut wird auf das Wichtigste reduziert – es wird weniger und bewusster konsumiert. Natürlich liegt es auch in der Natur der Sache, dass man deutlich weniger Stauraum hat, um das 100-teilige Porzellanservice unterzubringen, das man vor 10 Jahren geschenkt bekommen und nie benutzt hat. Das Downsizing bzw. Leben ohne Überfluss spielt also in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Auch wenn sich die Tiny House Bewegung hierzulande bzw. generell in Europa noch in den Anfängen befindet, kann man erfreulicherweise ein wachsendes Interesse beobachten. Immer öfter ist das Thema beispielsweise im Fernsehen zu sehen, es gibt zunehmend mehr Stellplätze (teils ausschließlich) für Tiny Houses und immer mehr Hersteller schießen wie Pilze aus dem Boden. Der bereits erwähnte Mietpreisanstieg spricht auch für das Wachsen der Minihaus-Interessierten.

Verschiedene Arten von Tiny Houses

Neben dem Tiny House on Wheels gibt es noch viele weitere Arten von Häuschen, in denen es sich auf kleinem Raum wohnen lässt. Die „klassische Variante“ auf dem Trailer hat dich nicht überzeugt? Vielleicht ist eines der folgenden Häuschen eher nach deinem Geschmack.

Der Bauwagen ist ein Anhänger mit einer Kabine aus Holz oder Sandwichplatten und einem Runddach. Ursprünglich dafür gedacht, Arbeitern auf Baustellen eine Unterkunft zu bieten –  daher auch der Name – trifft man Bauwägen schon seit langem in sogenannten Wagenburgen in der Aussteiger- bzw. alternativen Szene an. Der Bauwagen ist sozusagen das Tiny House der ersten Stunde. Kreativ umgebaut und eingerichtet und mit Holz- oder Kohleofen beheizt, lässt es sich darin sehr gemütlich wohnen. Der wohl bekannteste Bauwagen ist das Modell von Peter Lustig aus der Sendung Löwenzahn.

Eine Weiterentwicklung des Bauwagens sind beispielsweise die Wohlwagen oder Wohnwagons. Diese Wagen aus Deutschland und Österreich werden bezugsfertig angeboten und sind eher im mittleren bis hohen Preissegment anzusiedeln. Dafür muss man sich bei dieser Variante allerdings um nichts kümmern und erhält ein äußerst luxuriöses Eigenheim – Autarkie optional.

Ebenso wie Bauwägen eignen sich auch alte Schiffs- oder LKW-Container für einen Umbau. Auch hier gibt es schon einige Hersteller, die fertige Lösungen anbieten. Alternativ kann man einen Container natürlich auch selbst gebraucht kaufen und den Hammer in die Hand nehmen – Upcycling ahoi! Auf Grund der Größe sind für den Transport andere Vorschriften zu beachten, als beim klassischen Tiny House. Auch hat der Container selbst keine Räder, sondern wird in der Regel auf einer Wechselbrücke montiert, die wiederum mit einem Tieflader oder ähnlichem Schleppfahrzeug transportiert wird.

Wer sich lieber in einem Minihaus der Luxusklasse dauerhaft an einem Ort niederlassen möchte, findet eventuell im Fincube sein Traumdomizil. Dieses Designerobjekt bietet mit ca. 47 m2 nicht nur mehr Wohnfläche als ein Tiny House. Dank Rundum-Glasfassade hat man in jedem Wohnbereich einen tollen Panoramablick.

Etwas weniger extravagant lässt es sich auch in herkömmlichen Modulhäusern gut auf kleinem Raum leben – in der Regel kann man ca. 40 bis 100 m2 sein Eigen nennen. Modulhäuser dieser Art werden üblicherweise schlüsselfertig angeboten. Bei manchen Herstellern besteht aber auch die Möglichkeit den Grundriss nach den eigenen Vorstellungen mitzugestalten. Räder haben Modulhäuser keine, sie können aber trotzdem einen Umzug mitmachen.

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